Mythos Cost-Average-Effekt: Lohnt sich das Investieren in Raten?

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Mythos Cost-Average-Effekt: Lohnt sich das Investieren in Raten?

Der Cost-Average-Effekt (oder: Durchschnittskosteneffekt) wird oft als Vorteil des passiven Investierens in ETFs verkauft. Doch im Vergleich schneiden Sparpläne meist deutlich schlechter ab als Einmal-Investments. In diesem Artikel erkläre ich warum.

Darstellung des Cost-Average-Effekt wie er als Beispiel oft in Lehrbüchern zu finden ist.
Je nach Kurs werden unterschiedlich viele Anteile für die gleiche Sparrate gekauft.

Was ist der Cost-Average-Effekt (einfach erklärt)?

Der Cost-Average-Effekt kann auftreten, wenn du in regelmäßigen Abständen Beträge in Wertpapiere investierst.

Das bekannteste Beispiel für den Cost-Average-Effekt ist ein kostenloser ETF-Sparplan.

Ein Sparplan ist in der Regel so strukturiert, dass du zu jeder Ausführung immer den gleichen Betrag investierst.

Dadurch kaufst du in Hochkursphasen automatisch weniger Wertpapiere als in Niedrigkursphasen.

Investierst du zum Beispiel immer 100€ in einen ETF, kaufst du bei einem Kurs von 50€ zwei Anteile, bei einem Kurs von 25€ dagegen vier. Durch dieses “Sparplaninvestieren” kaufst du also mehr Anteile, wenn die Anteile „günstig“ sind und weniger Anteile, wenn sie „teuer“ sind.

Deine Durchschnittskosten liegen deswegen immer unter dem teuersten Kurs, aber auch stets über dem günstigsten im Investment-Zeitraum.

Der Vorteil des Cost-Average-Effekt ist, wenn deine Durchschnittskosten im Vergleich im Vergleich zu den Stückkosten einer Einmalanlage günstiger sind.

Ein Beispiel: Der Cost-Average-Effekt wie es im Lehrbuch steht

Der Sparplananleger kauft jeden Monat Anteile eines Fonds für 100 €. Dabei erhält er die folgenden Anteile:

Darstellung des Cost-Average-Effekt wie er als Beispiel oft in Lehrbüchern zu finden ist.
Je nach Kurs werden unterschiedlich viele Anteile für die gleiche Sparrate gekauft.
MonatSparplanhöhePreis je AnteilGekaufte Anteile
Januar100€50€2 Stück
Februar100€75€1,33 Stück
März100€50€2 Stück
April100€25€4 Stück
Mai100€50€2 Stück
Gesamt/Durchschnitt500€Durchschnittspreis: 44,13€11,33 Stück

Der Durchschnittspreis pro Fondsanteil liegt bei: 44,13€

Als Sparplananleger im Mai hättest du 11,33 Anteile im Depot mit einem Wert pro Anteil von 50€ = 566,50€

Per Einmalanlage im Januar wären dies im Mai nur 10 Anteile für je 50€ = 500€

In diesem Rechenbeispiel hat der Sparplananleger gegenüber dem Einmal-Investment klar gewonnen.

Der Sparplananleger hätte ganze 13,3% mehr Rendite gemacht als der Einmalanleger (0%).

Damit ist der Cost-Average-Effekt bestätigt – oder etwas nicht?

Der Cost-Average-Effekt als Mythos: Warum das Lehrbuch an der Realität scheitert

Was im Lehrbuch intuitiv und richtig erscheint, hat leider mit der Realität wenig zu tun. In den gezeigten Beispielen lässt sich ein Cost-Average-Effekt bestätigen, aber die Beispiele sind künstlich und unrealistisch gewählt. Hier erkläre ich in 4 Punkten, warum der Effekt in der Realität nicht für dich arbeiten wird.

1. Die Lehrbuchbeispiele für die Cost-Average-Effekt sind stark übertrieben.

Auch das gezeigte Beispiel geht von sehr starken Kursgewinnen und -verlusten von über 50% aus. Das ist insbesondere für einen breit gestreuten ETF sehr unwahrscheinlich. Wenn wir stattdessen von realistischeren, aber immer noch sehr starken, Kursbewegungen von 10% ausgehen. Verringert sich der Effekt drastisch.

cost-average-effekt mit geringen Kursbewegungen
Ein Cost-Average-Effekt bei geringen Kursschwankungen ist kaum zu spüren.
MonatSparplanhöhePreis je AnteilGekaufte Anteile
Januar100€50€2 Stück
Februar100€45€2,22 Stück
März100€50€2 Stück
April100€55€1,82 Stück
Mai100€50€2 Stück
Gesamt500€Durchschnittspreis: 49,80 €10,04 Stück

Mit diesen abgeschwächten Kursbewegungen, die für einen ETF aber immer noch sehr stark sind, hättest du statt 500€ Gewinn 502€ gemacht. Du hättest also 0,4% mehr Rendite gemacht durch den Durchschnittskosteneffekt als bei der Einmalanlage.

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2. Damit der Cost-Average-Effekt wirklich für dich arbeitet muss der Markt stagnieren oder fallen

Der Hauptgrund für das Investieren in ETFs ist der günstige Vermögensaufbau in ein breit diversifiziertes Portfolio und damit in eine stabile Rendite.

Oder in einfachen Worten: Man investiert in ETFs, weil man davon ausgeht, dass der Markt langfristig steigt. Sonst bräuchte man sich den Aufwand ja nicht machen.

Der Cost-Average-Effekt ist für dich aber nur von Vorteil, wenn der Markt stagniert oder fällt.

Wenn wir mit Sparraten in einen schwankenden, aber in einen “nach oben schwankenden Markt” investieren, ergibt sich ein völlig anderes Bild. Hier ein Beispiel:

Ein Cost-Average-Effekt in einem wachsenden Markt ist nicht vorhanden
In einem wachsenden Markt ist ein Einmal-Investment dem Sparplan überlegen.
MonatSparplanhöhePreis je AnteilGekaufte Anteile
Januar100€50€2 Stück
Februar100€60€1,67 Stück
März100€55€1,82 Stück
April100€70€1,42 Stück
Mai100€65€1,53 Stück
Gesamt500€Durchschnittspreis: 59,17 €8,45 Stück

Die 8,45 Anteil des Sparplananlegers sind im Mai (8,45 * 65€) = 549,25€ wert und damit hättest du eine Rendite von knapp 10% erwirtschaftet.

Die 10 Anteile eines Einmalanleger dagegen sind im Mail (10*65€) = 650€ Wert und damit hättest du eine Rendite von 30% erwirtschaftet

In einem aufwärtsbewegenden Markt macht es immer Sinn so früh wie möglich dabei zu sein.

Denn ein langfristig wachsender Markt ist die historisch bedingte Annahme, warum man überhaupt langfristig investiert.

3.  Beim langfristigen Investieren verliert der Cost-Average-Effekt an Bedeutung

Was die Lehrbuchbeispiele ebenfalls verschweigen: Der Cost-Average-Effekt verliert auf lange Sicht stetig an Bedeutung in deinem Depot. Da sich dein Depotwert im Zeitverlauf stetig erhöht, macht die einzelne Rate einen immer geringeren Bruchteil deines bereits investierten Vermögens aus. Deshalb werden Kursschwankungen im Verlauf des Ansparens immer weniger abgefedert und der Durchschnittskosten-Effekt macht sich immer weniger bemerkbar.

Hast du zum Beispiel bereits 15.000 € investiert, fallen 300€, die du während eines Kurseinbruchs investierst, bezogen auf dein Gesamtvermögen kaum noch ins Gewicht.

4. Aber was ist mit einem Börsencrash?

Richtig ist, dass im Fall eines Börsencrash, sich das Investieren in Raten mehr lohnen kann als ein Einmal-Investment. Ganz einfach, weil nicht dein ganzes Kapital vom Crash betroffen ist, und du günstig nachkaufen kannst.

Die andere Seite der Medaille ist jedoch, dass du einen Börsencrash nicht sicher vorhersagen kannst. Oder hast du im Dezember 2019 vorhergesehen, dass ein Virus zu einer weltweiten Pandemie und zu einem Blitzcrash an den Börsen führt?

Und selbst nach diesem Crash erreichte der DAX ein knappes Jahr später neue Höchstmarken (und tut es immer noch)!

Selbst wenn du zum denkbar unglücklichsten Zeitpunkt vor dem Crash investiert hättest (Ende Februar 2019), wärst du jetzt (Stand April 2020) mit einem MSCI World ETF mehr als 12% im Plus! Und das in nur einem Jahr.

Deswegen solltest du dir, sofern du langfristig Investieren willst, keine Sorgen über Börsencrashs machen. Selbst große Crashs, wie die Finanzkrise 2008, sind in der Regel nach rund 3 Jahren wieder ausgestanden und du bist wieder mit einem Depot im Plus.

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Legt man den Chart des MSCI Worlds der letzten 45 Jahre zugrunde, zeigt sich, dass ein möglichst frühes Einmal-Investment einen Sparplan-Ansatz in über 70% der Fälle überlegen wäre.

Fazit: Soll ich alles auf einmal investieren oder in Raten?

Es gibt keinen Grund mit dem Investieren zu warten, wenn du langfristig in ein breit gestreutes ETF Portfolio investieren willst.

Time in the market beats timing the market
(Oder: Besser langfristig dabei zu sein, als den richtigen Zeitpunkt abzuwarten)

Insgesamt ist der Cost-Average-Effekt eher ein Verkaufsargument für Bankberater als eine gute langfristige Anlagestrategie.

Du hast 15.000€, die du erstmal nicht benötigst und gewinnbringend investieren willst?

Dann ist die klare Antwort: JETZT ist der richtige Zeitpunkt zu investieren. Und am besten nicht jahrelang aufgeteilt auf Raten, sondern auf einmal – oder in wenigen großen Raten.

Warum ein Sparplan trotzdem Sinn macht

Du hast 15.000€ auf der hohen Kante? Super, dann solltest du sie einmalig investieren. Abgesehen von solchen Situationen bestreitest du deinen Vermögensaufbau aber wahrscheinlich in der Regel von deinem monatlichen Gehalt. Und hier macht ein ETF-Sparplan natürlich nach wie vor Sinn. Deswegen habe ich dir nochmal eine Liebeserklärung an den ETF-Sparplan in 4 Gründen zusammengefasst:

  • Dein Sparplan entlastet dich vom Market-Timing. Du musst nicht ständig Anlageentscheidungen treffen. Das spart dir Zeit und Nerven.
  • Dein Sparplan auf deinen ETF ist im Idealfall kostenlos und du bezahlst keine Transaktionskosten pro ausgeführter Sparrate.
  • Dein Sparplan automatisiert dein Spar- und Investitionsverhalten und wird zu Routine. Denn nur so kannst du relevante Summen langfristig anzusparen.
  • Und ein kleiner Tipp: Wenn du die Finger nicht vom Market-Timing lassen kannst: Erhöhe deine Sparquote in Krisenzeiten und setze sie herunter, wenn du das Gefühl hast, dass der Markt überhitzt ist.