PayPal ist einer der Werte aus meinem Depot, der enorm von der Coronapandemie profitiert hat und im letzten Jahr eine sehr gute Performance an den Tag gelegt hat. Im letzten Sommer hatte ich mir die Aktie erstmalig für eine Analyse vorgenommen. Nach der sehr starken Rallye der letzten Monate werfe ich nun noch einmal einen frischen Blick auf das Unternehmen.

Kurzbeschreibung

PayPal ist ein amerikanisches Unternehmen mit Sitz in San Jose (Kalifornien) aus dem Bereich der Finanzdienstleistung. Zum Geschäftsmodell gehören hauptsächlich die Abwicklung von Bezahlungen im Online-Handel und weitere Dienste, die im Laufe der Zeit dazu kamen. Die Geschichte des Unternehmens geht bis zur Jahrtausendwende zurück, als die kurz zuvor gegründeten Unternehmen Confinity und X.com sich zusammengeschlossen haben. X.com wurde von Elon Musk gegründet und Confinity von Peter Thiel, Max Levchin und Luke Nosek.

Bekannt wurde das Unternehmen durch die Abwicklungen der Bezahlungen auf der Auktionsplattform eBay. Die große Beliebtheit ging auf die sichere Abwickelung der Transaktionen zurück. Zusätzlich ist es für den Kunden ohne Angabe seiner eigenen Bankverbindung in Online-Shops zu bezahlen oder anderen Nutzern Geld zu senden. Dies führte dazu, dass eBay im Jahr 2002 für 1,5 Mrd. $ PayPal übernommen hat. Im Jahr 2015 hat man die Unternehmen wieder aufgespalten, so dass PayPal nun selbstständig an der Börse gelistet ist.

Aktuell wird das Unternehmen vom CEO Daniel Schulman geleitet. Die ursprünglichen Gründer besitzen keine nennenswerte Anteile mehr am Unternehmen und bekleiden auch keine Posten mehr. Insgesamt beschäftigt PayPal weltweit etwa 26.500 Mitarbeiter.

Kennzahlen PayPal

WKN: A14R7U
Gewinnwachstum 5 Jahre: 30,2 % p.a.
Umsatzwachstum 5 Jahre: 17,7 % p.a.
KGV21e: 62
Dividendenrendite: —
Marktkapitalisierung: 268 Mrd. €

Unternehmensübersicht

Damit das Geschäftsmodell von PayPal funktioniert, ist eine hohe Anzahl an Kunden verbunden mit einem großen Transaktionsvolumen notwendig. Blickt man hier auf die aktuellen Zahlen und auf das Wachstum der letzten Jahre, lässt sich der Erfolg von PayPal sehr gut nachvollziehen. Seit 2015 konnte die Anzahl der aktiven Nutzeraccounts auf 377 Mio. im Jahr 2020 verdoppelt werden. Das Transaktionsvolumen (TPV) lag 2020 bei 936 Mrd. $ und ist ein wichtiger Faktor für die Profitabilität. Je höher das TPV ist desto höher der von PayPal erzielte Umsatz und Gewinn. Außerdem nimmt die Anzahl der durchgeführten Transaktionen pro Nutzer und deren Volumen weiterhin zu. Dies sind für PayPal wichtige Wachstumstreiber.

PayPal spricht mit seinen angebotenen Diensten sowohl die Konsumenten als auch die kommerziellen Händler an. Im Angebot befinden sich eine Vielzahl an Services, die unter verschiedenen Plattformen verfügbar sind.

Quelle: Präsentation Investors Day 2021

Geschäftsbereiche

Der Hauptgeschäftsbereich von PayPal im Online-Handel dürfte jedem bekannt sein und ist natürlich auch von den Großteil des Umsatzes verantwortlich. Daher blicke ich hier auf einige weniger bekannte Bereiche von PayPal, die auch noch nicht so lange zum Unternehmen gehören.

Im Jahr 2019 wurde mit Honey ein Konzern im Bereich Cashback und Online-Coupons für etwa 4 Mrd. $ übernommen. Durch die Kooperationen von Honey im E-Commerce Bereich verfolgt PayPal das Ziel das Transaktionvolumen weiter zu erhöhen.

Ein Jahr zuvor konnte das schwedische Unternehmen iZettle für 2,2 Mrd. $ akquiriert werden. Der Teilbereich wurde mittlerweile in Zettle umbenannt und bietet hauptsächlich Kartenlesegeräte an, die lediglich ein Mobiltelefon benötigen. Dadurch können auch kleine Händler oder Geschäfte kostengünstig eine Kartenzahlung anbieten, die dann natürlich über PayPal läuft.

Ein weiteres interessantes Geschäftsfeld steckt hinter Venmo, was hierzulande noch nicht sonderlich bekannt ist. Venmo wurde 2012 für 26 Mio. $ zunächst von Braintree übernommen bevor PayPal ein Jahr später Braintree für 800 Mio. $ geschluckt hat. Bei Venmo stehen Transaktionen unter Privatpersonen im Vordergrund. Dabei können beispielsweise Rechnungen eines Restaurant- oder Kinobesuchs einfach aufgeteilt werden. Die App ist bislang nur in den USA verfügbar und ist dort unter jungen Menschen sehr beliebt.

Umsatz- und Gewinnentwicklung

Wie bereits an den Kennzahlen am Anfang des Artikels zu entnehmen ist, konnte PayPal in den letzten Jahren seinen Umsatz und Gewinn deutlich steigern. Dabei stieg der Gewinn in den letzten 5 Jahren jährlich um etwa 30% und der Umsatz um etwa 17%. Daran lässt sich bereits erkennen, dass sich in den vergangenen Jahren auch die Marge positiv entwickelt hat. PayPal war im vergangenen Jahr eines der Unternehmen, das von der Coronapandemie enorm profitieren konnte. Die plötzliche Wachstum im E-Commerce Bereich und beim kontakt- und bargeldlosen Bezahlen spielte PayPal in die Karten.

Dies lässt sich auch direkt an den Ergebnissen des vergangenen Jahres ablesen. Der Umsatz konnte von 17,7 Mrd. $ im Jahr 2019 auf 21,4 Mrd. $ gesteigert werden. Dies entspricht einem Zuwachs von etwa 21%. Beim Gewinn lief es noch erfreulicher, da dieser um 71% von 2,4 Mrd. $ auf über 4,2 Mrd. $ angewachsen ist. Die langfristigen Analystenschätzungen gehen zukünftig von weiterhin steigenden Umsätzen, Gewinnen und Margen aus.

Quelle: PayPal Jahresbericht 2020

Finanzen

Trotz der vielen Übernahmen sieht Bilanz von PayPal sehr stark aus. Den verzinsten Schulden von 9,7 Mrd. $ steht eine Liquidität von 13 Mrd. $ gegenüber, so dass PayPal als schuldenfrei angesehen werden kann. Außerdem liegt die jährliche Tilgungskraft bei knapp 5 Mrd. $, womit die aktuelle Verschuldung in weniger als 2 Jahren abgelöst werden könnten. Durch die oben genannten Übernahmen ist ein verhältnismäßig hoher Goodwill in der Bilanz zu finden. Dies sehe ich aufgrund der starken finanziellen Lage des Unternehmens jedoch nicht als kritisch an. Für die gute finanzielle Lage sprechen auch die bereits laufenden Aktienrückkäufe. PayPal plant die Rückkäufe weiter auszuweiten und dafür ca. 30-40% des freien Cashflows aufzuwenden.

Quelle: http://aktienfinder.net

Investmentgedanken / Zukunftsaussichten

Starke Kundenbasis

Mittlerweile ist die Marke PayPal weltweit bekannt und genießt ein hohes Vertrauen der Nutzer. Dies wird durch die stetig steigende aktive Nutzeranzahl, die wie bereits erwähnt bei 377 Mio. liegt, noch einmal untermauert. Einige Studien haben auch gezeigt, dass das Kaufverhalten von Kunden in Onlineshops durch die Möglichkeit einer Zahlung via PayPal positiv beeinflusst wird. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass PayPal auch eine gewisse Macht gegenüber vielen Onlineshops hat. Diese sind quasi dazu gezwungen eine Zahlung via PayPal anzubieten, da der Kunde dies erwartet. Im Laufe der zeit konnte PayPal viele wichtige Partnerschaften abschließen. Darunter sind beispielsweise Unternehmen wie Visa, Mastercard, Facebook, AliExpress oder Mercado Libre. Positiv ist auch die mittlerweile geringe Abhängigkeit von eBay, was vor einigen Jahren ganz anders ausgesehen hat. Das Wachstum wird nun über andere Businesskunden generiert.

Bargeldloses Bezahlen

Durch die Coronakrise hat sich der Trend zum bargeldlosen Bezahlen nochmal deutlich beschleunigt. Bisher stieg das weltweite Volumen bei bargeldlosen Zahlungen jährlich um etwa 14%. Ich gehe davon aus, dass auch nach der Coronakrise sich der Trend zum bargeldlosen Bezahlen nicht wieder zurück entwickelt. Dazu trägt auch der demographische Wandel bei, da junge Menschen tendenziell deutlich weniger bar bezahlen. Dies wird in den nächsten Jahren einen zusätzlichen Schub weg vom Bargeld geben.

Außerdem steigen auch die Anzahl der Restaurants, Geschäfte oder Händler, die eine Zahlung via EC- oder Kreditkarte oder per App ermöglichen. Davon kann PayPal in doppelter Hinsicht profitieren. Einerseits kann der Kunde direkt über die Dienste von PayPal bezahlen und andererseits könnten Händler die Kartenlesegeräte der PayPal Tochter Zettle einsetzten. Damit sinkt auch die Abhängigkeit vom Online-Handel, da PayPal auch im stationären Handel Umsätze generiert.

Kreditgeschäft

In den USA, Großbritannien und Frankreich hat PayPal letztes Jahr als Pilotprojekt damit begonnen die Option „Buy Now Pay Later“ einzuführen. Wie der Name schon vermuten lässt handelt es sich dabei um eine Art Kreditangebot. Dies soll sowohl Vorteile für PayPal als auch für deren Nutzer bringen.

Der Nutzen für PayPal besteht vor allem darin, dass die Abwicklung der Zahlung profitabler ist im Gegensatz zu einer normalen Kreditkartenabwicklung. Außerdem steigt der eigene Umsatz und Gewinn durch ein höheres Transaktionsvolumen, da viele Menschen gerne auf Kredit Käufe tätigen. Für den Anwender liegt der Vorteil darin zu deutlich besseren Konditionen einen Kauf auf Kredit tätigen zu können. Im Vergleich zu einer normalen Kreditkarte fallen deutlich weniger Gebühren und Zinsen an. Je nach Bonität und Betrag, ist der Dienst sogar kostenfrei. Bisher nutzen 3 Mio. Anwender und 250.000 Firmen diese neue Option. Falls das Pilotprojekt erfolgreich verläuft ist eine Skalierung mit sehr einfachen Mitteln möglich.

Kryptowährungen

Seit Ende letzten Jahres bietet PayPal über seine Tochter Venmo auch die Verwendung von Kryptowährungen an. Damit ist es für die 70 Mio. Nutzer in den USA Kryptowährungen zu kaufen, zu halten und damit zu bezahlen. Aktuell werden Bitcoin (BTC), Etherum (ETH), Litceoin (LTC) und Bitcoin Cash (BCH) unterstützt. Dies könnte die Beliebtheit von Venmo weiter steigern, da der Zugang zu Kryptwährungen dort sehr einfach möglich ist. Für PayPal ist dieses Angebot nicht sonderlich riskant. Falls sich der Kryptohype weiter fortsetzt kann PayPal auch davon indirekt profitieren.

Risiken

Zugang chinesischer Markt

Der weltweit größte Markt für E-Commerce befindet sich in China. Aufgrund der politischen Situation ist es sehr schwer in diesem Markt Fuß zu fassen. Zusätzlich zu den Markteintrittsbarrieren ist der Markt durch die chinesische Regierung reguliert. Unter der Bevölkerung wird quasi kein Bargeld mehr verwendet. Die Zahlungen im Alltag laufen in der Regel über WeChat (Tencent) und AliPay (Alibaba). Diese beherrschen den chinesischen Markt mit Marktanteilen von 54% (AliPay) und 39% (WeChat). Dennoch versucht PayPal in den chinesischen Markt durch die Übernahme von GoPay vorzudringen. Zusätzlich wurde mit Baidu eine Partnerschaft geschlossen, die es den Nutzern ermöglicht Zahlungen zu den an PayPal angeschlossenen Händlern durchzuführen. Es bleibt abzuwarten, ob der Markteintritt von PayPal in China gelingt. Falls dies misslingt, hat man hier einige Investitionen in den Sand gesetzt.

Konkurrenz

Ein weiterer Faktor, der bei einer Investition in PayPal beachtet werden muss, ist die Konkurrenz Situation. Im vorherigen Abschnitt wurde diese für China ja bereits erläutert. Im Rest der Welt gab es in den letzten Jahren einen regelrechten Fintech Boom. Besonders zu erwähnen ist hier Square, die ebenfalls den Markt des bargeldlosen Bezahlen aufmischen. Zusätzlich existieren noch die beiden Kreditkarten-Riesen Visa und Mastercard, die natürlich auch vom bargeldlosen Bezahlen profitieren.

Da PayPal nicht alleine auf dem Markt ist, hat man eine nicht allzu große Preissetzungsmacht. PayPal kann es sich somit nicht erlauben massiv an der Preisschraube zu drehen. Die aktuell von PayPal verlangten Gebühren sind für manche Händler schon recht happig. Daher bleibt es zukünftig nicht auszuschließen, dass Kunden und Händler zu einem Dienst der Konkurrenz zu wechseln. PayPal verfügt zwar über eine starke Marktstellung, aber muss diese natürlich zukünftig verteidigen.

Vertrauens- oder Imageverlust

Eines der größten Risiken besteht in einem großen Vertrauens- oder Imageverlust. In der Finanzindustrie ist das Vertrauen des Kunden das höchste Gut. Bisher hat PayPal es geschafft sich einen sehr guten Ruf zu erarbeiten, was diese Thematik betrifft. Dennoch könnte sich dies in einem eher unwahrscheinlichen Fall eines Hackerangriffs oder einer Datenpanne ändern. Auch größere technische Probleme könnten das Unternehmen weniger zuverlässig erscheinen lassen. PayPal scheint für diese Art von Problemen und Gefahren bislang gut gerüstet zu sein. Ich gehe jedoch davon aus, dass die Cyberkriminalität in Zukunft deutlich zunehmen wird. Besonders wenn das Bargeld immer weiter an Bedeutung verliert.

Aktuelle Bewertung PayPal

In den letzten Wochen und Monaten hat die PayPal Aktie eine beeindruckende Rallye hingelegt. Seit Anfang 2020 ist der Kurs um etwa 150% gestiegen. Dies ist natürlich mit den sehr guten Wachstumsaussichten und der weiteren Beschleunigung durch die Coronapandemie zu erklären. Bei einer Betrachtung des fairen Werts lässt sich aktuell eine deutliche Überbewertung ablesen. Das durchschnittliche historische KGV (bereinigt) liegt bei etwa 37 wohingegen das bereinigte KGV für 2021 bei etwa 62 liegt. Dies lässt sich auch sehr schön an der gestrichelten in der nachfolgenden Grafik ablesen.

Dennoch gehe ich nicht davon aus, dass der Kurs der PayPal Aktie deutlich korrigieren wird. Dafür sind die Wachstumsaussichten und die makellose Bilanz viel zu stark. Ich gehe eher von einer Konsolidierung auf hohem Niveau aus. Ich sehe PayPal daher aktuell als haltenswert an. Neueinsteigen würde ich momentan nur mit einem Sparplan, um das Risiko der hohen Bewertung etwas zu minimieren. Genauso werde ich auch fortfahren und meinen Sparplan weiter laufen lassen.

Quelle: http://aktienfinder.net

Der Beitrag PayPal – Bargeldlos in die Zukunft? erschien zuerst auf Aktiengedanken.

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